Archive for the 'Termine' Category

Vortrag: Zur Kritik einiger veganer Argumente

Montag 25.02.2013, 20.30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Peter Schadt (Falken Stuttgart und GEGEN_KULTUR Verlag)

Wenn Menschen sich vegan ernähren, kann dies aus den verschiedenen Gründen passieren. Für die einen ist es die einzig natürliche Ernährungsform; für andere das Wundermittel gegen den Welthunger. Nicht wenige fordern die Gleichheit von Mensch und Tier und sehen den sogenannten „Speziezismus“ in einer Reihe mit gesellschaftlichen Herschaftsverhältnissen wie Rassismus und Sexismus.

Entsprechend ist der Veganismus meist nicht nur eine Art sich zu ernähren, sondern tritt als politisches Programm auf: Gefordert werden Tierrechte, die eine andre Behandlung von Tieren staatlich garantieren sollen. Keine tierischen Produkte zu kaufen wird oft als Hebel gesehen die Produktion von Fleisch und anderer tierischer Produkte und die damit verbundene Verwertung der Tiere für menschliche Zwecke zu beenden.

Der Vortrag wirft einen genaueren Blick auf einige Argumente für den Veganismus und thematisiert die hinter ihnen stehenden Vorstellungen von Recht, Staat, Moral und Ökonomie. Zur Diskussion stellen wollen wir unsere Kritik an einiger politischen Forderungen, moralischen Argumenten und der politischen Praxis der Tierrechtsbewegung.

Ort: [L50] – Lassallestr.50, Erfurt
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Stadtführung: Arbeiterbewegung in Erfurt

Montag, 10.12.2012, 16.30 Uhr

Die Projektgruppe “Erfurt im Nationalsozialismus” führt für die Falken Erfurt einen Stadtrundgang zum Thema “Arbeiterbewegung” durch.
Durch die einsetzende Industrialisierung und der damit verbundenen Landflucht im 19. Jahrhundert bildeten sich wie in vielen Städten auch in Erfurt zahlreiche Arbeitersiedlungen außerhalb der Stadtmauern heraus. Die Viertel der A
rbeiterInnen waren von Armut geprägt, so war das Arbeiterviertel Ilversgehofen als „Blechbüchsenviertel“ bekannt. Die aufkommende Arbeiterbewegung nahm die Forderungen der ArbeiterInnen auf und schuf zahlreiche Einrichtungen im Viertel. Das Viertel entwickelte sich zu einer Arbeiterhochburg als „rotes Ilversgehofen“. Aber auch in anderen Vierteln gab es zahlreiche Einrichtungen von und für ArbeiterInnen.
In der Weimarer Republik war Erfurt nicht nur Zentrum einer gut aufgestellten SPD, sondern auch einer starken KPD. Mit den Erstarken der Nationalsozialisten gab immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Arbeiterwehren und SA. Mit der Machtübernahme der NSDAP wurde die SA zur Hilfspolizei und die Arbeiterbewegung systematisch verfolgt und ihre Anführer in „wilde Konzentrationslager“ gesperrt.

Treffpunkt: Erfurter Tivoli (Ecke Magdeburgerallee-Bebelstraße)

Über das Verhältnis von Psychoanalyse und Gesellschaftskritik

09. November, 20.00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Konrad (Halle)

Die ökonomischen und gesellschaftlichen Zwänge treten dem Subjekt in der bürgerlichen Gesellschaft als von ihm unabhängiges Äußeres gegenüber und doch müssen sie von ihm ständig produziert und reproduziert werden, wobei sie ihre Spuren in diesem hinterlassen. Wie tief diese Prozesse wirklich reichen, konnte erst die von Sigmund Freud ins Leben gerufene Psychoanalyse aufdecken. Mit deren Strukturmodell der Psyche und der Kenntnis des Unbewussten ließen sich die Entwicklung von Einzelnen und auch Gruppen in der Gesellschaft rekonstruieren, sowie Denken und Handeln erklären.
Sexualität, Charakter, “Ich”, was vielen als ihr Innerstes und Eigenstes, “ihre Natur” erscheint und als solche von ihnen absolut gesetzt wird, ist vielmehr Resultat der “tiefsten Verstümmelung”(Adorno) durch die “zweite Natur”. Könnte die Psychoanalyse den Menschen ein Bewusstsein ihrer Leiden und ihrer falschen Erklärungen verschaffen, erwiese sie sich als ein bedeutender Beitrag zur Aufklärung.
Wenn die durch die Kultur verdrängten und unterdrückten Triebe bewusst würden und das Ich seine Wünsche anstatt der Realität zum Maß der Dinge machte, könnte sich deren revolutionäres Potential entfalten als Motiv zur Überwindung des Bestehenden hin zu einer Gesellschaft, in der Glück nicht in abgeschwächter und ersatzhafter Form als Abfallprodukt der Verwertung und Mittel zur Reproduktion der Arbeitskraft seine Rechtfertigung hat, sondern oberster Zweck derselben ist.

Ort: Filler.cc

Wochenendseminar: Dialektik der Aufklärung – Teil 1

26.Oktober bis 28.Oktober

Zwischen 1939 und 1944 schrieben Max Horkheimer und Theodor Adorno die „Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente“. Das Buch, dass als eines der Hauptwerke der Kritischen Theorie gilt, unternimmt den Versucht der „Erkenntnis, warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“. Diese Barbarei, allem voran der Nationalsozialismus, wird dabei nicht als etwas von außen an die Aufklärung herangetragene behauptet, sondern als deren sc
hlechte Verwirklichung. Horkheimer und Adorno unternehmen den Versuch einer Selbstreflexion der Aufklärung auf ihre selbstzerstörerische Dialektik. Während mehrerer Wochenendseminar wollen wir uns gemeinsam den Text aneignen und der Frage nach der Aktualität der Überlegungen Adornos und Horkheimers für eine gegenwärtige Gesellschaftskritik nachgehen.

Während des ersten Seminars wollen wir das Kapitel „Was ist Aufklärung“ gemeinsam lesen und diskutieren.

Das Kapitel sollte vor dem Seminar zumindest einmal gelesen sein, um eine bessere Diskussion zu ermöglichen. Die Anschaffung des Buches ist empfehlenswert, auf Nachfrage stellen wir die Texte aber auch als Reader zusammen.

Ort: Rittergut Lützensömmern
Eine gemeinsame Anreise ab Erfurt ist möglich.
Für Verpflegung usw. müssen wir leider einen Teilnahmebeitrag in Höhe von 15€ nehmen.

Termine

Liebe Genossinnen und Genossen,

aus terminlichen Gründen müssen wir leider einige Vorträge verschieben

  • Den Vortrag “Stadt und Kapitalismus, ein neuer Termin kommt noch
  • Den Vortrag “Kritik der Uni”, eine neuer Termin kommt noch
  • Den Vortrag “Psychoanalyse und Gesellschaftskritik” auf Freitag den 09.11.
  • Städtefahrt: Räte, Republik und Revolution in München 1918/1919

    31.Oktober bis 04.November

    Während im November 1918 in Berlin das Kaiserreich auf den Müllhaufen der Geschichte befördert wird, setzten die revolutionären Arbeiter*innen und Soldaten in Bayern den König ab und beenden damit die fast 1000 jährige Herrschaft der Wittelsbacher. Kurt Eisner ruft in München den freien Volksstaat Bayern aus und wird dessen erster Ministerpräsident. Doch es geht hoch her, die Revolutionär*innen erleiden eine Schlappe bei der Wahl und am 21.Februar 1919 wird Eisner von einem Rechtsr
    adikalen erschossen. Nocheinmal formiert sich der Widerstand gegen die herrschende Ordnung und die Münchener Räterepublik wird ausgerufen. Doch schon am 2.Mai 1919 gelingt es Reichswehr und Freikorpstruppen den Aufstand niederzuwerfen und die Reaktion beginnt zu wüten.
    Auf unserer Städtefahrt wollen wir uns auf die Spuren der Revolution und Räterepublik begeben, uns mit deren Forderungen und Schicksal auseinandersetzungen und natürlich auch München kennenlernen.

    Abfahrt ist am Mittwoch um 10.30 Uhr aber Erfurt. Rückkehr am späten Sonntag Nachmittag.

    Für Frühstück und Abendessen, Fahrt usw. müssenl wir leider einen Teilnahmebeitrag von 35€ nehmen. Am scheiß Geld soll es im Zweifel aber nicht scheitern.
    Wenn Du mitkommen möchtest, melde Dich bitte bis zum 25. Oktober an unter kontakt@falken-erfurt.de. Bitte gib auch Deinen Namen und Dein Alter an.

    „Ist materialistische Dialektik als eine Weise von Erkenntnis möglich?“ Diskussionen über Dialektik zwischen Adorno und Horkheimer.

    Mittwoch 22.08.2012, 20.00 Uhr.
    Vortrag und Diskussiom mit Oli (Jena)

    Kurz nach der Gründung des Frankfurter Institut für Sozialforschung fanden sich dort Theoretiker zusammen, die sich vor allem in der Ablehnung der kapitalistischen Gesellschaft einig waren. Wie eine radikale Kritik der bürgerlichen Zustände auszusehen hatte, darin war man sich aber keineswegs immer einig. Noch vor Entstehung der Dialektik der Aufklärung gab es interne Diskussionen über die methodischen Voraussetzungen der eigenen Arbeit. Die Frage etwa, was eigentlich
    materialistische Dialektik heißt und wie darin das Verhältnis von Philosophie und Einzelwissenschaften zu fassen ist, blieb letztendlich strittig. In dem Vortrag soll exemplarisch die im Jahr 1939 protokollierte Diskussion über Dialektik zwischen Horkheimer und Adorno herausgegriffen und anhand dieser die Fragen und Widersprüche entfaltet werden, vor denen eine radikale Gesellschaftskritik noch heute steht.

    Ort: filler.cc

    Tagesfahrt: Thomas Müntzer, die Bauernkriege und der Himmel auf Erden

    Tagesfahrt am 23.06.2012, 09.45Uhr ins Bauernkriegspanorama-Museum in Bad Frankenhausen mit Frederik Schwieger (Falken Viersen).

    Im Mai 1525 wurde in der Schlacht in Frankenhausen das Schicksal der Bauernaufstände besiegelt. Von weit her war damals die versammelte Reaktion (die Landesfürsten und ihre Truppen) nach Frankenhausen gekommen um die aufständischen Bauernhaufen um Thomas Müntzer niederzuschlagen. Am Ende dieser ungleichen Auseinandersetzung lagen tausende Bauern erschlagen auf dem Schlachtfeld, Müntzer wurde gefangen, gefoltert und geköpft und es setzte eine noch Jahre anhaltende Repressionswelle gegen die Bauern ein.
    Begonnen hatte alles mit der frühen reformatorischen Bewegung um Martin Luther. Doch während Luther sich auf die Seite der Herrschenden stellte, radikalisierte sich Thomas Müntzer schnell und wurde zu Luthers wichtigsten innerreformatorischen Gegner. Seine Theologie war durchtränkt mit einer Parteilichkeit für die unterdrückten Bauern und einer Frontstellung gegenüber dem Adel. Sein Ziel war es, das Reich Gottes auf Erden zu errichten, die Menschen für ihn Gleiche, die gemeinsam, gemeinschaftlich (omnia sunt communia) die Erde fruchtbar machen sollten.
    Und während die Lebenssituation der Bauern damals immer unerträglicher wurden und aller Orten offene Auseinandersetzungen mit dem Adel ausbrauchen, fanden sie in den Ideen Müntzers eine Theorie, in der sich ihre Kritik des bestehenden artikulieren konnte. Die blutige Schlacht in Frankenhausen markiert das Ende dieses frühen Versuchs Gesellschaft anders zu gestalten und mit der Logik von Ausbeutung und Herrschaft zu brechen.
    Zum Gedenken an Müntzer und die aufständischen Bauern wurde in Frankenhausen ein monumentales Panoramabild errichtet. Es entstand in einer Zeitspanne von zehn Jahren (1976-1987) und ist eines der größten Tafelbilder der Welt. Gemeinsam wollen wir das das Panoramamuseums besuchen und uns mit Müntzer, dem Bauernaufständen und seinen Ideen beschäftigen.

    Treffpunkt zur Abreise ist der Erfurter HBF, Sa. 23.06.2012, 09.45 an der Anzeigetafel.

    Kosten entstehen keine, für Leute die einen Fahrschein benötigen, wird es Gruppentickets geben. Meldet euch nach Möglichkeit bitte an, damit wir besser planen können.

    Vortrag: Hegel und der Materialismus – Über das negative Potential der hegelschen Dialektik und das Himmelreich auf Erden

    Freitag 04.05.2012, 18.00 Uhr.
    Vortrag und Diskussion mit Karl Rauschenbach (Berlin)

    Hegel gilt als der letzte Philosoph, der Vollender der Philosophie. Danach ging das Denken dazu über sich als „Kopf der Leidenschaft“ zu begreifen und sich der „wirklichen Bewegung“ zu widmen. „Die Philosophen haben die Welt nur interpretiert, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.“ Es schien einen schroffen Gegensatz zwischen immer idealistischer Philosophie zu geben, die die Versöhnung der Welt nur in der getrennten Sphäre des Denkens oder des Geistes findet und dem Materialismus, der sich die tatsächlich Umgestaltung sämtlicher menschlicher Beziehung und damit des Stoffwechsels mit der Natur auf die Fahnen geschrieben hatte.
    Doch dieser Gegensatz ist gleichzeitig nur Schein. Lenin wußte: „Der kluge Idealismus steht dem klugen Materialismus näher als der dumme Materialismus.“ Tatsächlich legte Marx Wert darauf, die Hegelsche Philosophie vom „Kopf auf die Füße“ gestellt zu haben, er hat sie gewissermaßen von innen nach außen gestülpt und so sehr seine Philosophie das „direkte Gegenteil“ der Hegelschen sein soll, er mit seinen Begriffen nur „kokettiere“ hat er dabei doch die dialektische Methode vollständig aufgenommen. Es handelt sich um einen schönen Versuch bestimmter Negation und damit im Prinzip selbst um ein Stück Hegelsche Philosophie. Denn, schreibt Engels im Rückblick, „man wird nicht mit einer Philosophie fertig dadurch, daß man sie einfach für falsch erklärt. Und ein so gewaltiges Werk wie die Hegelsche Philosophie, die einen so ungeheuren Einfuß auf die geistige Entwicklung der Nation gehabt, ließ sich nicht dadurch beseitigen, daß man sie kurzerhand ignorierte. Sie mußte in ihrem eigenen Sinn ‘aufgehoben’ werden, d.h. in dem Sinn, daß ihre Form kritisch vernichtet, der durch sie gewonnene neue Inhalt aber gerettet wurde.“

    Los geworden ist man Hegel tatsächlich nicht und so liest man ihn bis heute. Der Vortrag soll ein wenig in die Hegelsche Dialektik einführen, vor allem in deren negatives Potential. Insbesondere soll es darum gehen, dass Hegel in oft gewöhnungsbedürftiger Form die materielle Umgestaltung der Gesellschaft vor Augen hatte, in guter illuminatischer Tradition ein „Himmelreich auf Erden“ anstrebte und insofern selbst Materialist war und keiner, dem es nur auf die Interpretation der Welt ankam: „Das Reich Gottes komme, und unsere Hände seien nicht müßig im Schoße! Vernunft und Freiheit bleiben unsere Losung, und unser Vereinigungspunkt die unsichtbare Kirche.“ Ohne diesen allgemeinen Hintergrund kann man kein Wort von Hegel verstehen.
    Allerdings zog sich das revolutionäre Denken nach dem Scheitern der Aufklärung 1789ff in die Wissenschaft zurück. Der Plan war zunächst – ganz ähnlich wie es später Horkheimer mit seinem Institut für Sozialkritik versucht hat – von dort die Keime der Negation in die Gesellschaft einzuführen. Es polemisierte gegen sämtliche Denkformen seiner Epoche, um „die festen Gedanken in Flüssigkeit zu bringen“, auf dass die Menschheit „in der absoluten Zerrissenheit sich selbst findet“ und jener „bacchantische Taumel“ ausbricht, „an dem kein Glied nicht trunken ist“, um so das “Allgemeine zu verwirklichen“.
    Später, als sich erwies dass keiner dem folgen wollte, konstatierte Hegel: „Aber diese Versöhnung ist selbst nur eine partielle, ohne äußere Allgemeinheit; die Philosophie ist in dieser Beziehung ein abgesondertes Heiligtum, und ihre Diener bilden einen isolierten Priesterstand, der mit der Welt nicht zusammengehen darf und das Besitztum der Wahrheit zu hüten hat. Wie sich de zeitliche, empirische Gegenwart aus ihrem Zwiespalte herausfinde, wie sie sich gestalte, ist ihr zu überlassen und ist nicht die unmittelbar praktische Sache und Angelegenheit der Philosophie.“

    Vielleicht geht es auch um etwas anderes – in jedem Fall aber um HEGEL.

    Karl Rauschenbach (Berlin) schrieb u.a. im Magazin, Phase 2 und Jungle World. Zuletzt erschien von ihm der Film “Die kommende Revolution” über Pjotr Kropotkin.

    Veto, Trommsdorffstr. 5, Erfurt.
    Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

    Vortrag: Eine innere Angelegenheit – Über den Staat als unreflektierte Voraussetzung aktueller Krisenlösungsphantasien

    Donnerstag 26.04.2012, 20.00 Uhr.
    Vortrag mit Justin Monday (Hamburg)

    Als den Bürgern in der Krise im Herbst 2008 das Bewußtsein vom historischen Charakter ihres Ein und Alles – des Kapitalverhältnisses – drohte, erschien ihnen, insbesondere den deutschen, die Ewigkeit des nationalen Staates als Rettung. Noch heute, viele deutliche Botschaften des nach wie vor auf Entwertung drängenden Werts später, sind sie sich dieser Ewigkeit so gewiß, wie sie sonst glauben, ihr Nierenleiden vom Uropa mütterlicherseits geerbt zu haben. Unterschiede zwischen Keynesianern, die die Krise vermittels deficit spending beheben wollen, und denjenigen, denen die Produktion von Gebrauchswerten ganz unvermittelt nur Mittel zum Zweck der Kapitalakkumulation ist, sind schon länger kaum noch auszumachen. Auch fällt es allen Protagonisten zunehmend schwerer, sich ihre Interessenlagen zusammenzureimen. Jeder Konkurrent, auf den die eigene Pleite abgewälzt werden könnten, entpuppt sich als Teil der Substanz des eigenen Kapitals, die es „zu retten“ gilt. Bei allen nterschieden in den Resultaten der Interessenfindung bestehen aber unübersehbare Gemeinsamkeiten in den Voraussetzungen des handlungsleitenden Krisenbewußtsein, d.h. in den fetischistischen Vorstellungen vom Charakter des gesellschaftlichen Ganzen. Vor Augen steht den Repräsentanten des herrschenden Elends dabei vor allem dessen Kontrollier- und Steuerbarkeit durch den Staat, der als dem Kapitalverhältnis äußere Macht halluziniert wird. Handele dieser nur richtig, sei er in der Lage, die Krise zu meistern. Während jede einzelne Maßnahme inzwischen strittig ist, herrscht hierüber Einigkeit, oder besser: Pfeifen im Walde. Offenkundig ist, dass die darauf aufbauenden Versuche, Wirtschaftspolitik zu betreiben, nur immer wieder neu vor Augen führen, daß die vorausgegangenen Maßnahmen nichts gelöst, sondern den Entwertungsdruck nur in die Zukunft verschoben haben. Das freilich ficht diejenigen nicht an, denen die vergangene Rolle des Staates zur Omnipotenzphantasie geronnen ist. Ihnen erscheint jede weitere drohende
    Staatspleite und jeder weitere Börsenkrach als zusätzliches ausgemachtes Fehlverhalten, das die Aufgabe des Staates nur umso größer, und die Gepflogenheiten des deutschen Souveräns nur um so geeigneter macht. – Dagegen soll erörtert werden, inwieweit die auf den autoritären Staat und in Deutschland auf den Nationalsozialismus zurückgehende Einheit von Staat und Gesellschaft weniger eine Entwicklungsmöglichkeit der aktuellen Zustände ist, sondern deren Voraussetzung, die, als Motor vergangener Krisenlösung, inzwischen ihrerseits in der Krise ist.

    JustIn Monday (Hamburg), veröffentlicht u.a. in „Phase 2“ und „Exit! Krise und Kritik der Warengesellschaft“ sowie auf beatpunk.org.

    Veto, Trommsdorffstr. 5, Erfurt.
    Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.