Vortrag: Hegel und der Materialismus – Über das negative Potential der hegelschen Dialektik und das Himmelreich auf Erden

Freitag 04.05.2012, 18.00 Uhr.
Vortrag und Diskussion mit Karl Rauschenbach (Berlin)

Hegel gilt als der letzte Philosoph, der Vollender der Philosophie. Danach ging das Denken dazu über sich als „Kopf der Leidenschaft“ zu begreifen und sich der „wirklichen Bewegung“ zu widmen. „Die Philosophen haben die Welt nur interpretiert, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.“ Es schien einen schroffen Gegensatz zwischen immer idealistischer Philosophie zu geben, die die Versöhnung der Welt nur in der getrennten Sphäre des Denkens oder des Geistes findet und dem Materialismus, der sich die tatsächlich Umgestaltung sämtlicher menschlicher Beziehung und damit des Stoffwechsels mit der Natur auf die Fahnen geschrieben hatte.
Doch dieser Gegensatz ist gleichzeitig nur Schein. Lenin wußte: „Der kluge Idealismus steht dem klugen Materialismus näher als der dumme Materialismus.“ Tatsächlich legte Marx Wert darauf, die Hegelsche Philosophie vom „Kopf auf die Füße“ gestellt zu haben, er hat sie gewissermaßen von innen nach außen gestülpt und so sehr seine Philosophie das „direkte Gegenteil“ der Hegelschen sein soll, er mit seinen Begriffen nur „kokettiere“ hat er dabei doch die dialektische Methode vollständig aufgenommen. Es handelt sich um einen schönen Versuch bestimmter Negation und damit im Prinzip selbst um ein Stück Hegelsche Philosophie. Denn, schreibt Engels im Rückblick, „man wird nicht mit einer Philosophie fertig dadurch, daß man sie einfach für falsch erklärt. Und ein so gewaltiges Werk wie die Hegelsche Philosophie, die einen so ungeheuren Einfuß auf die geistige Entwicklung der Nation gehabt, ließ sich nicht dadurch beseitigen, daß man sie kurzerhand ignorierte. Sie mußte in ihrem eigenen Sinn ‚aufgehoben‘ werden, d.h. in dem Sinn, daß ihre Form kritisch vernichtet, der durch sie gewonnene neue Inhalt aber gerettet wurde.“

Los geworden ist man Hegel tatsächlich nicht und so liest man ihn bis heute. Der Vortrag soll ein wenig in die Hegelsche Dialektik einführen, vor allem in deren negatives Potential. Insbesondere soll es darum gehen, dass Hegel in oft gewöhnungsbedürftiger Form die materielle Umgestaltung der Gesellschaft vor Augen hatte, in guter illuminatischer Tradition ein „Himmelreich auf Erden“ anstrebte und insofern selbst Materialist war und keiner, dem es nur auf die Interpretation der Welt ankam: „Das Reich Gottes komme, und unsere Hände seien nicht müßig im Schoße! Vernunft und Freiheit bleiben unsere Losung, und unser Vereinigungspunkt die unsichtbare Kirche.“ Ohne diesen allgemeinen Hintergrund kann man kein Wort von Hegel verstehen.
Allerdings zog sich das revolutionäre Denken nach dem Scheitern der Aufklärung 1789ff in die Wissenschaft zurück. Der Plan war zunächst – ganz ähnlich wie es später Horkheimer mit seinem Institut für Sozialkritik versucht hat – von dort die Keime der Negation in die Gesellschaft einzuführen. Es polemisierte gegen sämtliche Denkformen seiner Epoche, um „die festen Gedanken in Flüssigkeit zu bringen“, auf dass die Menschheit „in der absoluten Zerrissenheit sich selbst findet“ und jener „bacchantische Taumel“ ausbricht, „an dem kein Glied nicht trunken ist“, um so das “Allgemeine zu verwirklichen“.
Später, als sich erwies dass keiner dem folgen wollte, konstatierte Hegel: „Aber diese Versöhnung ist selbst nur eine partielle, ohne äußere Allgemeinheit; die Philosophie ist in dieser Beziehung ein abgesondertes Heiligtum, und ihre Diener bilden einen isolierten Priesterstand, der mit der Welt nicht zusammengehen darf und das Besitztum der Wahrheit zu hüten hat. Wie sich de zeitliche, empirische Gegenwart aus ihrem Zwiespalte herausfinde, wie sie sich gestalte, ist ihr zu überlassen und ist nicht die unmittelbar praktische Sache und Angelegenheit der Philosophie.“

Vielleicht geht es auch um etwas anderes – in jedem Fall aber um HEGEL.

Karl Rauschenbach (Berlin) schrieb u.a. im Magazin, Phase 2 und Jungle World. Zuletzt erschien von ihm der Film „Die kommende Revolution“ über Pjotr Kropotkin.

Veto, Trommsdorffstr. 5, Erfurt.
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Vortrag: Eine innere Angelegenheit – Über den Staat als unreflektierte Voraussetzung aktueller Krisenlösungsphantasien

Donnerstag 26.04.2012, 20.00 Uhr.
Vortrag mit Justin Monday (Hamburg)

Als den Bürgern in der Krise im Herbst 2008 das Bewußtsein vom historischen Charakter ihres Ein und Alles – des Kapitalverhältnisses – drohte, erschien ihnen, insbesondere den deutschen, die Ewigkeit des nationalen Staates als Rettung. Noch heute, viele deutliche Botschaften des nach wie vor auf Entwertung drängenden Werts später, sind sie sich dieser Ewigkeit so gewiß, wie sie sonst glauben, ihr Nierenleiden vom Uropa mütterlicherseits geerbt zu haben. Unterschiede zwischen Keynesianern, die die Krise vermittels deficit spending beheben wollen, und denjenigen, denen die Produktion von Gebrauchswerten ganz unvermittelt nur Mittel zum Zweck der Kapitalakkumulation ist, sind schon länger kaum noch auszumachen. Auch fällt es allen Protagonisten zunehmend schwerer, sich ihre Interessenlagen zusammenzureimen. Jeder Konkurrent, auf den die eigene Pleite abgewälzt werden könnten, entpuppt sich als Teil der Substanz des eigenen Kapitals, die es „zu retten“ gilt. Bei allen nterschieden in den Resultaten der Interessenfindung bestehen aber unübersehbare Gemeinsamkeiten in den Voraussetzungen des handlungsleitenden Krisenbewußtsein, d.h. in den fetischistischen Vorstellungen vom Charakter des gesellschaftlichen Ganzen. Vor Augen steht den Repräsentanten des herrschenden Elends dabei vor allem dessen Kontrollier- und Steuerbarkeit durch den Staat, der als dem Kapitalverhältnis äußere Macht halluziniert wird. Handele dieser nur richtig, sei er in der Lage, die Krise zu meistern. Während jede einzelne Maßnahme inzwischen strittig ist, herrscht hierüber Einigkeit, oder besser: Pfeifen im Walde. Offenkundig ist, dass die darauf aufbauenden Versuche, Wirtschaftspolitik zu betreiben, nur immer wieder neu vor Augen führen, daß die vorausgegangenen Maßnahmen nichts gelöst, sondern den Entwertungsdruck nur in die Zukunft verschoben haben. Das freilich ficht diejenigen nicht an, denen die vergangene Rolle des Staates zur Omnipotenzphantasie geronnen ist. Ihnen erscheint jede weitere drohende
Staatspleite und jeder weitere Börsenkrach als zusätzliches ausgemachtes Fehlverhalten, das die Aufgabe des Staates nur umso größer, und die Gepflogenheiten des deutschen Souveräns nur um so geeigneter macht. – Dagegen soll erörtert werden, inwieweit die auf den autoritären Staat und in Deutschland auf den Nationalsozialismus zurückgehende Einheit von Staat und Gesellschaft weniger eine Entwicklungsmöglichkeit der aktuellen Zustände ist, sondern deren Voraussetzung, die, als Motor vergangener Krisenlösung, inzwischen ihrerseits in der Krise ist.

JustIn Monday (Hamburg), veröffentlicht u.a. in „Phase 2“ und „Exit! Krise und Kritik der Warengesellschaft“ sowie auf beatpunk.org.

Veto, Trommsdorffstr. 5, Erfurt.
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Vortrag „Erziehung und Bildung nach Auschwitz“ und offenes Plenum zur Programmplanung

Am Freitag findet ab 19.00 Uhr im Filler ein Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Erziehung und Bildung nach Auschwitz“ statt.
Mit unserem Referenten Björn Oellers (Falken Hamburg) wollen wir der Frage nachgehen, warum Bildungs und Erziehungsarbeit eine wichtige Rolle zur Überwindung unvernünftiger Verhältnisse spielen und welche Rolle sie für einen Sozialistischen Jugendverband haben. Ausserdem soll danach gefragt werden, welchen Inhalt und welche Form eine solche Erziehungs- und Bildungsarbeit haben muss, damit sie ihrem Anspruch gerecht werden kann. Zugleich soll in den Blick genommen werden, inwiefern eine solche Bildungs- und Erziehungsarbeit von Adornos kategorischer Imperativ, Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, berührt wird und welche Auswirkungen dies haben muss.
Die Veranstaltung soll zugleich Ausgangspunkt für eine Diskussion um umser Programm in der zweiten Häflte 2011 sein.
Wir ladne alle die unsere Arbeit und unsere Veranstaltungen interessieren zu einem offenen Plenum am Samstag 18.12.10, 19.00 Uhr in den Filler ein. Wir wollen vorstellen, was wir uns schon überlegt haben und überlegen welche Veranstaltungen uns und euch noch fehlen. Wenn ihr also Lust habt, eure Vorschläge mit einzubringen, oder auch nur zu hören wollt, was so ansteht, seid ihr herzlich eingeladen.

Nachbreitung Hauptsache Gesund Seminar

Wer nach dem Ratschlag noch zu Müde war, um zum Seminar zu kommen kann einen Teil des Inhalts im Text Hauptsache Gesund! auf der Homepage von Junge Linke nachlesen.
Ausserdem kann das Interview das die Sendung Reibungspunkt mit von uns im Vorfeld der Veranstaltung geführt hat jetzt online gehört werden (Interview bei Reibungspunkt).

PS Ausserdem ist eine neuer Artikel („Cut the Crap“) vom Genossen Robert Sprinzel aus dem LV Brandenburg aus der Zeitschrift unseres Bundesverbandes zum Engagement in Parteien online.

Gestern Morgen beim Gottesdienst

Sozialismus als Kitsch: eine porzellan Katze für Rosa
Am 17.01. gings morgens früh raus: 9.30 Uhr wollten wir am Rosa Luxemburg Platz sein, um den dort Versammelten unseren Redebeitrag vor den Latz zu knallen. Der Anlass? Das jährliche Gedenken an die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts.
Der Grund? Die Versammelten von LINKE bis KPD LV Thüringen und ihre in Ausbeutung und Herrschaft verstrickte Denke.
Das Ganze verlief dann auch so erfolgreich, dass uns nach weniger als einem Drittel unserer Rede
Als stumme Götze beliebt.
das Mikrofon freundlich, aber bestimmt mit dem Hinweis entzogen wurde, den Gottesdienstbesuchern zu sagen was Sache ist, sei eine unerwünschte Art des Gedenkens. Dank ausreichender Vorbereitung wurde zügig das Mikrofon durch ein Megafon ersetzt und die Rede zu Ende gehalten.
Begleitet wurde der Rest der Rede dann von zunehmenden Auflösungserscheinungen der Kundgebung, Buh-Rufen und als, als sei der Religöse Charakter der ganzen Veranstaltung nicht schon offensichtlich genug, von einem „Pfui-Teufel“-Ruf einer aufgebrachten älteren Gottesdienstbesucherin. Unter der Behauptung, wir hätten noch nie etwas von Rosa Luxemburg gelesen, hielt man uns dann zum Abschluss noch Rosa Luxemburgs Briefe aus dem Gefängnis vor die Nase, als seien sie die Bibel der Götzenanbeter. Alles in allem war die Rede also sehr gelungen. Zur Dokumentation und als Diskussionsgrundlage werden wir in naher Zukunft unseren Redebeitrag online stellen, der gerade noch mit Fussnoten und Informationen versehen wird, um nicht den Eindruck zu erwecken, wir wüssten so wenig von und über Rosa Luxemburg wie die absolute Mehrheit der alljährlichen Trauergäste.

Rosa und Karl 2010

von den Freikorps-Soldaten erschossene Spartakisten
Von Freikorps-Soldaten ermordete Spartakisten
Nachdem mit dem Spartakusaufstand auch die Novemberrevolution blutig niedergeschlagen worden war, ermordeten Freikorps-Soldaten am 15. Januar 1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

Mit der Hilfe dieser rechtsextremen Mörderbande übte die sozialdemokratische Regierung Ebert-Scheidemann späte Rache an den Abweichlern, die für viele der Novemberrevolution und dem Spartakusaufstand ein Gesicht gaben.
Jedes Jahr am zweiten Januarwochenende findet zum Gedenken an die Ermordeten eine Demonstration statt. Die Falken organisieren aus diesem Anlass jedes Jahr ein Seminarwochende, eben „Rosa und Karl“.

Dieses Jahr wird es Seminare wie „Rosa für Einsteiger_innen“, „‚Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen‘: Sekundärer Antisemitismus und deutsche Erinnerungskultur“, „Warum Frauen und ArbeiterInnen eine Bewegung brauchen?! Geschlecht| Status| Bewegung“, „Was ist Kapitalismus? Selbstorganisierte Versuche große Fragen zu klären“, und “ Was ist Herrschaft? Und wie ist sie aufhebbar?“ gebe, ausserdem gibt es eine Diskussion mit Michael Heinrich zur Frage „Aktuelle Finanzkrise – Krise des Kapitalismus?“.

08.01.2010 – 10.01.2010
im Kurt-Löwenstein-Haus in Werftphul bei Berlin
gemeinsame Anfahrt ab Erfurt.
Der Teilnehmer_innenbeitrag beträgt inkl Teilnahme, Verpflegung und Anreise usw. 15€
Meldet euch so schnell wie möglich an!
Das geht per Mail oder per Post.
Dazu brauchen wir von euch: Name, Alter, Adresse, Telefonnummer oder Mailadresse.