Unsere Position zum Ausschluss unserer israelischen Partnerorganisationen aus der IFM-SEI und dem Umgang des Bundesvorstandes mit der Situation

Wir sind nicht einverstanden und möchten unsere Kritik erläutern. Lest sie hier!

Der Ausschluss von Hashomer Hatzair und NOAL aus der IFM-SEI markiert für uns eine politische und solidarische Zäsur, die sowohl den internationalen Verband als auch unseren eigenen Umgang mit Antisemitismus, Friedensarbeit und innerverbandlicher Verantwortung grundlegend in Frage stellt. Dabei richtet sich unsere Kritik nicht nur gegen die Entscheidung der IFM selbst, sondern ausdrücklich auch gegen den Umgang unseres Bundesvorstands (BuVo) mit dem Ausschlussprozess. Wir hätten uns gewünscht, dass unser Abstimmungsverhalten rückblickend klar als Fehler benannt wird. 

Zunächst stellt sich die Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Hashomer Hatzair und NOAL innerhalb der IFM zunehmend isoliert waren und am Ende offenbar selbst kaum noch Vertrauen in die IFM hatten. Die Berichte über langanhaltende Konflikte zeigen, dass es sich nicht um eine kurzfristige Eskalation, sondern um einen über Jahre gewachsenen Bruch handelt – sowohl inhaltlich als auch auf zwischenmenschlicher Ebene. Eine Friedenskooperation zwischen den jüdisch-israelischen und palästinensischen Organisationen existierte faktisch schon lange nicht mehr. Statt diese Leerstelle offensiv zu problematisieren und politische Vermittlung zu leisten, hat die IFM diesen Zustand letztlich verwaltet – und mit dem Ausschluss nun zementiert. 

Besonders problematisch erscheint uns der Umgang innerhalb der IFM während des Kongresses selbst. Dass andere Mitgliedsorganisationen unter massiven moralischen und politischen Druck gesetzt wurden, um einen ohnehin mehrheitsfähigen Ausschlussantrag durchzusetzen, widerspricht unserem Verständnis von solidarischer internationaler Zusammenarbeit. Der autoritäre Stil, mit dem insbesondere seitens der IYU agiert wurde – inklusive angedrohter Austritte und dem Abbruch von Partnerschaften – wirft die Frage auf, wie künftig mit solchen Dynamiken umgegangen werden soll. Für uns ist klar: Weder als Verband noch als internationale Bewegung dürfen wir uns einschüchtern lassen, insbesondere dann nicht, wenn es darum geht, antisemitisch motivierten Positionen entschieden entgegenzutreten und Solidarität praktisch werden zu lassen. 

Vor diesem Hintergrund wiegt die taktische Entscheidung des BuVo auf dem Kongress besonders schwer. Ja, es ist richtig, dass ein „Nein“ den Ausschluss nicht verhindert hätte. Doch ein „Nein“ wäre mehr gewesen als eine bloße symbolische Geste oder eine Enthaltung: Es wäre das klare, unmissverständliche Zeichen gewesen, dass unser Bundesverband einem antisemitisch motivierten Ausschlussantrag nicht zustimmt – unabhängig vom absehbaren Abstimmungsergebnis. Umso größer ist unsere Enttäuschung darüber, dass diese Entscheidung im Nachhinein nicht als Fehler benannt wurde, sondern weiterhin als politisch konsequent dargestellt wird. Gerade weil solidarisches Handeln in dieser Situation mit politischen Konsequenzen verbunden war, erwarten wir von unserem Bundesverband Haltung statt taktischer Zurückhaltung. 

Diese Leerstelle setzt sich im Beschluss des Bundesausschusses vom September 2025 fort. Dort wird festgehalten, Hashomer Hatzair und NOAL würden sich „nur zögerlich gegen den Krieg stellen“ oder sogar „teilweise aktiv daran teilnehmen“. Dieser Vorwurf ist nicht nur verkürzt, sondern realitätsfern. Wer die Arbeit der beiden Organisationen in den vergangenen Jahren ernsthaft verfolgt hat, weiß, dass ihre Genoss*innen von Beginn an Teil der Proteste gegen den Krieg waren, für einen Waffenstillstand demonstrierten und sich für die Freilassung der Geiseln einsetzten. Mehrere Mitglieder wurden am 7. Oktober von der Hamas ermordet oder nach Gaza verschleppt. Das Leid unserer israelischen Genoss*innen ist real – und es ist beschämend, wie schwer sich Teile unseres Verbandes und der IFM damit tun, dieses Leid anzuerkennen. 

Auch die Frage der Wehrpflicht wird im BuKo-Beschluss verzerrt dargestellt. Das adhoc-Komitee der IFM, das den Ausschluss prüfen sollte, hat selbst festgestellt, dass die Wehrpflicht in Israel keine freie politische Entscheidung darstellt, sondern junge Menschen vielmehr einem Krieg ausliefert, den sie politisch häufig ablehnen. Daraus den Vorwurf einer „aktiven Kriegsbeteiligung“ im Sinne eines Bruchs mit friedenspolitischen Grundsätzen zu konstruieren, blendet diese Zwangslage vollständig aus. 

Hinzu kommt ein offensichtlicher Doppelstandard innerhalb der IFM in Bezug auf Antimilitarismus. Während der Ausschluss mit einem vermeintlich konsequenten Antimilitarismus begründet wird, toleriert die IFM zugleich Organisationen, die sich positiv auf die NATO beziehen, bewaffnete Befreiungsbewegungen unterstützen oder deren Positionen zum Militär alles andere als eindeutig sind. Diese Widersprüche wurden benannt, aber nicht aufgearbeitet. Stattdessen traf der Ausschluss ausgerechnet jene Organisationen, die sich – unter extremen Bedingungen – um eine kritische, innergesellschaftliche Friedensperspektive bemühen. 

All dies führt bei uns zu der ernsten Frage, wie es sein kann, dass der Ausschluss von Hashomer Hatzair und NOAL innerhalb unseres Verbandes und der IFM teilweise begrüßt wird. Antisemitismus wird dabei entweder verharmlost oder gar nicht erst als solcher erkannt. 

Der BuVo hat mit seiner Enthaltung nicht in unserem Interesse gehandelt. Die Bekämpfung des Antisemitismus in all seinen Formen ist ein zentraler Bestandteil unseres Verständnisses von Sozialismus und einer befreiten Gesellschaft. 

Freundschaft!