Vortrag: Wer sich mit Hunden zu Bett legt

Kafkas Überlegungen zum Jiddischen und Auseinandersetzung mit antisemitischen Vorurteilen

Vortrag . 07. Dezember . 19:00 . [kany]

Das Jiddische habe, wie Kafka schreibt, zarte Verbindungen zum Deutschen. Unmöglich sei es jedoch, den Jargon ins Deutsche zu übersetzen, denn dann würde man ihn vernichten. Dies soll eine Fährte legen, sich auf sprachlicher Ebene mit Identitäten auseinanderzusetzen und frühe antijudaistische Ressentiments und Diskriminierungen aufdecken, die sich in antisemitischer Hetze verhärtet haben. Schon im 16. Jahrhundert gab es ein Interesse an der jüdischen Sprache und dadurch auch vermehrte Auseinandersetzung mit ihr, da man der „Gaunersprache“ Einhalt geben müsse, um den „falschspielenden“ Juden zur Verantwortung zu ziehen. Die Angst vor einer Sprache, welche sich nationalphilologischen Merkmalen zur Gänze entzieht, war groß, zumal derzeit die Verbindungen zwischen Sprache und Boden sehr stark waren, und man wenig mit einer Sprache anfangen konnte, die wurzellos „in die Luft hinauszuwachsen“ schien.

Die Reihe wird organisiert von den Falken Erfurt und gefördert durch Mittel des Lokalen Aktionsplans gegen Rechtsextremismus der Stadt Erfurt (LAP)

Regelmäßige Termine

  • Jeden 2. Montag (gerade Kalenderwochen) von 18.30 bis 21 Uhr: Kapital-Lesekreis (Montag-Gruppe)
  • Jeden Dienstag von 16.30 – 18.30 Uhr: Offenes Treffen der Falken-Kindergruppe (8 bis 12 Jahre)
  • Jeden Dienstag um 18.15 Uhr: Arbeitskreis zur Kritik des Nationalsozialismus.
  • Jeden 2. Mittwoch (gerade Kalenderwochen) von 18.30 bis 21 Uhr: Kapital-Lesekreis (Mittwoch-Gruppe)
  • Jeden Donnerstag um 18.00 Uhr: Arbeitskreis Kritische Pädagogik.
  • Jeden letzten Montag im Monat um 19:30 Uhr: Jour Fixe Bildungsreihe
  • Einen Freitag im Monat um 20 Uhr: Rote Völlerei meets Katerschmiede
  • Unregelmäßig: Sozialistische Hochschulgruppe. Erfragt den nächsten Termin.
  • Unregelmäßig: Arbeiter*innenliederchor. Erfragt den nächsten Termin.
  • Unregelmäßig: Aktivenplenum. Erfragt den nächsten Termin.

Die Arbeitskreise des KV Erfurt treffen sich im Ladenlokal [kany].
Wenn Du Lust hast mitzumachen, schreib uns einfach eine Mail.

Jour Fixe: 100 Jahre Anti-Imperialismus nach Lenin

27. November | 19:30 Uhr | [kany]

Vor 100 Jahren erschien Lenins Streitschrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, welche bis heute ein zentrales Grundlagenwerk für marxistische Imperialismustheorien darstellt. An diesem Abend soll Lenins Versuch einer Darlegung der „objektiven Bedingungen des Imperialismus“ und des „wahren Klassencharakter eines Krieges“ einer kritischen Analyse unterzogen werden.

Lesung: „Wurzellose Kosmopoliten“ (Jonas Engelmann)

23. November | 19:30 Uhr | [kany]

Luftmenschen und Golems, sprechende Tiere und Vampire geistern durch die jüdische Kulturgeschichte, auf der Suche nach Auswegen und Fluchtlinien vor den Anfeindungen der Gesellschaft. In Hochkultur und Popkultur, Jazz, Antifolk und HipHop, in Odessa und New York, Krakau und Montreal – Spuren finden sich überall. »Wurzellose Kosmopoliten« geht diesen Spuren nach, so verborgen sie auch sein mögen, in den Leerstellen und Untiefen von Literatur und Musik.

Von der osteuropäisch-jüdischen Kultur vor der Shoah, den fliegenden Luftmenschen bei Bruno Schulz oder Franz Kafka, den kabbalistischen Golems und den ­jüdischen Gangstern Isaak Babels finden sich Linien bis in die popkulturelle Gegenwart, die Musik, den Film und den Comic. Die Geister der jüdischen ­Kulturgeschichte spuken durch die Kunst, in ihren Verwandlungen erscheint möglich, was in der Realität meist eine Utopie bleibt: die Mechanismen der Ausgrenzung und des Antisemitismus ins Leere laufen zu lassen, vor ihnen davon zu schweben und zum Luftmenschen zu werden.

Jonas Engelmann ist studierter Literaturwissenschaftler, ungelernter Lektor und freier Journalist. Er hat über Gesellschaftsbilder im Comic promoviert, schreibt über Filme, Musik, Literatur, Feminismus, jüdische Identität und Luftmenschen für »Jungle World«, »konkret«, »Zonic«, »Missy Magazine« und andere, lektoriert Bücher für den Ventil Verlag und gibt die »testcard« mit heraus.

Die Reihe wird organisiert von den Falken Erfurt und gefördert durch Mittel des Lokalen Aktionsplans gegen Rechtsextremismus der Stadt Erfurt (LAP)

Workshop zu Kracauers Faschismusanalyse

Die Geometrie des Faschismus – Zur Auseinandersetzung mit Kracauers Oberflächenanalyse
14. November | 18:15 Uhr | [kany]

Dass Erzeugnisse der Kulturindustrie Einzug in den wissenschaftlichen Diskurs halten, wird heutzutage kaum noch als anstößig empfunden. In den 1920er und 30er Jahren führte die Heranziehung solcher Untersuchungsgegenstände noch zu Kontroversen. Siegfried Kracauer (1889-1966) wählte in dieser Zeit gezielt populäre Erzeugnisse und erkannte sie als analysierbare Zeichensysteme an, aus denen Erkenntnisse über die Gesellschaft gezogen werden können.

Im Workshop werden wir Kracauers Aufsatz Das Ornament der Masse (1927) einer intensiven Lektüre unterziehen. In diesem Text richtet er den Blick auf eine der damals bekanntesten Tanzrevuen: die Tiller Girls. In deren Performance sieht er eine Geometrie, die er mit dem Kapitalismus und dessen eigentümlicher Rationalität in Verbindung bringt. Darin lassen sich bereits unheilvolle Tendenzen der deutschen Gesellschaft erkennen: die Ästhetisierung des Faschismus und die Formierung der Masse durch Propaganda.

Wir werden seiner Argumentation nachgehen und unter Berücksichtigung seiner Studie Totalitäre Propaganda (1937/38; erstmals 2012 erschienen) überprüfen, inwiefern sich jene Tendenz im Nationalsozialismus wiederfindet.

Für die Veranstaltung bitten wir um Voranmeldung.

Die Veranstaltung wird gefördert durch Mittel des Lokalen Aktionsplans gegen Rechtsextremismus der Stadt Erfurt (LAP)