Vortragsreihe: Nationalsozialismus und seine Folgen

Eine materialistische Theorie der Geschichte – Walter Benjamins Griff nach der Notbremse und Adornos Versuch, die Ursachen der Vergangenheit zumindest nachträglich zu beseitigen.


15. Oktober – 18.30 Uhr – Falken Ladenlokal (Thälmannstr. 26, neben Pizza Town)

Vortrag und Diskussion mit Philipp

Noch vor 50 Jahren schienen die Fronten klar: die Erinnerung an den Nationalsozialismus richtete sich nicht nur gegen das Schweigen der eigenen Väter und Onkel, sondern auch das er gesamten deutschen Öffentlichkeit. Diese wollte lieber auf eine große Zukunft Deutschlands hinarbeiten und dazu einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen, anstatt sich mit der Erinnerung an die abzugeben, die im Namen Deutschlands und seiner Zukunft ermordet wurden. Vor diesem Hintergrund schien jedes Erinnern ein Angriff auf den emsigen Wiederaufbau und Ruhe und Ordnung zu sein – kurz es war praktische Subversion.

Heute hat die offizielle Politik hingegen eine umfassende Erinnerungskultur etabliert. Bei Gedenkveranstaltungen zur Befreiung von Auschwitz oder zum Ende des Nationalsozialismus in Bundestag und -rat zitiert man sogar einen Theodor W. Adorno. Dabei hatte dieser seinen Vortag von 1959 zur Aufarbeitung der Vergangenheit damit geschlossen, dass diese erst aufgearbeitet war, wenn die „Ursachen des Vergangenen beseitigt wären“ und dachte dabei an die praktische Beseitigung des Kapitalismus.

Der Vortrag vergegenwärtigt zunächst die Überlegungen aus Adornos Vortrag „Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit“ (1960), um in Anschluss an diese die Veränderungen des öffentlichen Gedenkens in den letzten 35 Jahren zum umreißen und die Frage aufzuwerfen vor welcher Aufgabe das Erinnern an den Nationalsozialismus heute steht.

Antinationalismus & Antizionismus – Warum eine Kritik der Nation die Solidarität mit Israel implizieren muss

21. Oktober – 18.30 Uhr – Falken Ladenlokal (Thälmannstr. 26, neben Pizza Town)
Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat

Im Antizionismus wird der ohnehin schon falsche abstrakte Antinationalismus konkret: Er macht Israel zum Juden unter den Staaten. Die israelische Nation und der israelische Nationalismus sind in entscheidenden Punkten von anderem Charakter als jede andere Nation und jeder andere Nationalismus. Die aus dem Fetischismus der bürgerlichen Produktionsweise resultierende negative Vergesellschaftung bringt die Notwendigkeit einer verdinglichten Darstellung der gesellschaftlichen Beziehungen in der Nation hervor. Die bürgerlichen Subjekte drängt es zur Artikulation einer konformistischen Revolte, deren Ausdruck unter anderem der Antisemitismus ist. Der israelische Nationalismus ist die Verteidigung gegen diesen Mechanismus nationaler Vergesellschaftung. Er ist die Reaktion auf den nationalen Wahn – die nach Lage der Dinge bis heute einzig mögliche Antwort auf die nationalistische Raserei, die gerade im Antisemitismus zu sich findet.

Stephan Grigat ist Gastprofessor für kritische Gesellschaftstheorie an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Autor von „Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung“ (Konkret 2014).

Die Veranstaltungen werden vom Arbeitskreis Nationalsozialismus organisiert. Der Arbeitskreis trifft sich wöchentlich und setzt sich mit Geschichte und Gegenwart des Nationalsozialismus auseinander. Wer Interesse daran hat, sich am Arbeitskreis zu beteiligen ist herzlich eingeladen. Einen Kontakt gibt es über ak-ns@falken-erfurt.de.
Die Veranstaltungsreihe wird gefördert durch den LAP Erfurt.

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