Gera – 19.07.2008

Über 500 Menschen, davon rund 200 bis 250 Autonome im schwarzen Block, fanden sich am 19.07.2008 in Gera ein, um an den Protestaktionen „Gera bunt, tolerant und weltoffen. Kein Platz für Nazis“ gegen das rechtsextreme Musikfestival „Rock für Deutschland“ teilzunehmen. Bei dem Nazi-Fest, welches zum sechsten mal in Folge und dieses Jahr unter dem Motto „Sozial geht nur national“ stattfand, waren u.a. NPD-Größen wie Holger Apfel, Michael Schäfer und Patrick Wieschke als Redner geladen; neonazistische Bands wie Hauptkampflinie (Kassel), Jungsturm (Saarbrücken) und Eugenik (Gera) sorgten für die „musikalische Umrandung“.
Nach der Auftaktkundgebung auf dem Museumsvorplatz samt den üblichen gutbürgerlichen Erklärungen der KommunalpolitikerInnen zog der knapp 200 Meter lange Protestzug geschlossen und lautstark durch Gera Richtung Elsterdamm, wo auf der Heinrichsbrücke wenige hundert Meter von der Naziveranstaltung „An der Spielwiese“ entfernt, eine Zwischenkundgebung abgehalten wurde. Einige Faschisten, welchen die Redebeiträge ihrer Kameraden anscheinend zu langweilig waren, positionierten sich unmittelbar neben der Kundgebung, aber gut geschützt durch Polizei und BFE (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit). Es kam zu einigen Sprechchören, aber ansonsten blieben die DemonstrationsteilnehmerInnen ruhig und unbeeindruckt durch die offene Provokation.
Als sich der Zug wieder Richtung Museumsplatz in Bewegung setzte, spalteten sich Teile des schwarzen Blocks ab und positionierten sich am Ufer gegenüber der NPD-Veranstaltung und machte diese mit Megaphon und diversen Parolen auf sich aufmerksam. Diese eigentlich vollkommen ungefährliche Situation hätte sich wahrscheinlich nach maximal 15 Minuten selbst aufgelöst, aber die staatliche Exekutive sah hier wohl ihre Chance, an diesem Tage doch auch auf ihre Kosten zu kommen und drängte den Block unsanft weiter, wobei wohl auch zu einigen Gewahrsamnahmen kam. An dieser Stelle muss allerdings das deeskalierende Engagement des Veranstaltungsleiters hervorgehoben werden, ohne welches es sicherlich zu größeren Handgreiflichkeiten gekommen wäre. Wieder angekommen auf dem Museumsvorplatz wurde die Veranstaltung dann noch durch den Auftritt der Rap-Formation Kidlock abgerundet.
Fazit: Die regionale Mobilisierung verlief wohl durchaus erfolgreich, aber die überregionale, sowie bürgerliche Unterstützung war kaum bis gar nicht vorhanden. Ob es am wechselhaften Wetter, Angst, Resignation oder schlichtem Desinteresse lag, sei einmal dahingestellt. Es gab wenige Gewahrsamnahmen und bis zum Abend waren alle Leute wieder frei. Durch ein geschlosseneres Vorgehen wäre wohl noch wesentlich mehr drin gewesen als das, was geschehen ist. Im Gegensatz zu den von der NPD angekündigten 900 Teilnehmern kamen laut Polizeiangaben „nur“ rund 700 Neonazis zusammen. Im Resümee eine erkennbar positive Entwicklung zu den Vorjahren, aber erfolgreiches Engagement gegen Rechtsextremismus sieht einfach anders aus. Die Bilder sind unter der entsprechenden Rubrik einsehbar.

Weitere Berichte:
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Antifaschistische Aktion Gera

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