“Es rettet uns die Kunst”?

Zum Verhältnis von Kunst und Kritik zwischen Autonomie und Aufhebung

Seminar mit Lukas (Biko)

Die jüngere kritische Soziologie (Boltanski, Schultheis etc.), die darum bemüht ist die Bedingungen von Kritik neu zu reflektieren, konstatiert in der historischen Rekonstruktion gesellschaftskritischer Bewegungen eine Trennung: „Sozialkritik vs. Künstlerkritik“. Während die Künstlerkritik, aus einem Boheme-Milieu stammend, selbst in der bürgerlichen Gesellschaft verankert ist, jedoch Lohnarbeit verachtet, zweckfreie Tätigkeit propagiert und auf das Individuum setzt, geht es der Sozialkritik um Arbeitskämpfe, kollektive Errungenschaften und materielle Absicherung und ihr erscheint die Individualität der Künstlerkritik als bürgerliches Privileg. So plausibel diese Beschreibung auf den ersten Blick sein mag – die Soziologen reproduzieren hier eine verkehrte Trennung, die in der Geschichte bereits mit den Avantgardebewegungen überwunden werden sollte Im Vortrag soll nachverfolgt werden wie sich das Verhältnis von Kunst und Kritik darstellt, seitdem sich erstere in der bürgerlichen Gesellschaft als autonome Sphäre herausgebildet hatte. Wichtige Eckpunkte sollen dabei die historischen Avantgardebewegungen und der Geschichtsbruch Auschwitz sein, nachdem sich die Frage nach einer Aufhebung der Kunst völlig neu stellt.

Wann: Mi. 15. Dezember 2010, 19.00 Uhr
Wo: Filler, Erfurt (Anfahrt)

Die Veranstaltung ist Auftakt zu unserer Reihe “Kunst und Kritik”. Mindestens einmal im Halbjahr wollen wir eine_n Künstler_in oder ein Werk in einer Veranstaltung vorstellen. Anfang nächsten Jahres geht die Reihe mit einer Veranstaltung zu “Krise und Integration der bürgerlichen Gesellschaft in Romanen von Charles Dickens” mit Björn Oellers (Falken Hamburg) weiter. Weitere Infos gibt es demnächst.

Ein Gedanke zu „“Es rettet uns die Kunst”?

  1. ich möchte mich an dieser Veranstaltung oder auch -Reihe beteiligen. Ich bin (kann man googlen) Initiator und Mitbegründer der Assoziation antikapitalistischer Kunstschaffender, also ein Künstler und politisch interessierter, der genau diese Diskussion sucht. Was ist, was soll und was kann Kunst? Muss Kunst sich prostituieren? Was ist mit Traditionen der ASSO der 20er und 30er Jahre? Ich komme am 15. und hoffe, ich bin willkommen.

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