Vortrag: Hegel und der Materialismus – Über das negative Potential der hegelschen Dialektik und das Himmelreich auf Erden

Freitag 04.05.2012, 18.00 Uhr.
Vortrag und Diskussion mit Karl Rauschenbach (Berlin)

Hegel gilt als der letzte Philosoph, der Vollender der Philosophie. Danach ging das Denken dazu über sich als „Kopf der Leidenschaft“ zu begreifen und sich der „wirklichen Bewegung“ zu widmen. „Die Philosophen haben die Welt nur interpretiert, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.“ Es schien einen schroffen Gegensatz zwischen immer idealistischer Philosophie zu geben, die die Versöhnung der Welt nur in der getrennten Sphäre des Denkens oder des Geistes findet und dem Materialismus, der sich die tatsächlich Umgestaltung sämtlicher menschlicher Beziehung und damit des Stoffwechsels mit der Natur auf die Fahnen geschrieben hatte.
Doch dieser Gegensatz ist gleichzeitig nur Schein. Lenin wußte: „Der kluge Idealismus steht dem klugen Materialismus näher als der dumme Materialismus.“ Tatsächlich legte Marx Wert darauf, die Hegelsche Philosophie vom „Kopf auf die Füße“ gestellt zu haben, er hat sie gewissermaßen von innen nach außen gestülpt und so sehr seine Philosophie das „direkte Gegenteil“ der Hegelschen sein soll, er mit seinen Begriffen nur „kokettiere“ hat er dabei doch die dialektische Methode vollständig aufgenommen. Es handelt sich um einen schönen Versuch bestimmter Negation und damit im Prinzip selbst um ein Stück Hegelsche Philosophie. Denn, schreibt Engels im Rückblick, „man wird nicht mit einer Philosophie fertig dadurch, daß man sie einfach für falsch erklärt. Und ein so gewaltiges Werk wie die Hegelsche Philosophie, die einen so ungeheuren Einfuß auf die geistige Entwicklung der Nation gehabt, ließ sich nicht dadurch beseitigen, daß man sie kurzerhand ignorierte. Sie mußte in ihrem eigenen Sinn ‘aufgehoben’ werden, d.h. in dem Sinn, daß ihre Form kritisch vernichtet, der durch sie gewonnene neue Inhalt aber gerettet wurde.“

Los geworden ist man Hegel tatsächlich nicht und so liest man ihn bis heute. Der Vortrag soll ein wenig in die Hegelsche Dialektik einführen, vor allem in deren negatives Potential. Insbesondere soll es darum gehen, dass Hegel in oft gewöhnungsbedürftiger Form die materielle Umgestaltung der Gesellschaft vor Augen hatte, in guter illuminatischer Tradition ein „Himmelreich auf Erden“ anstrebte und insofern selbst Materialist war und keiner, dem es nur auf die Interpretation der Welt ankam: „Das Reich Gottes komme, und unsere Hände seien nicht müßig im Schoße! Vernunft und Freiheit bleiben unsere Losung, und unser Vereinigungspunkt die unsichtbare Kirche.“ Ohne diesen allgemeinen Hintergrund kann man kein Wort von Hegel verstehen.
Allerdings zog sich das revolutionäre Denken nach dem Scheitern der Aufklärung 1789ff in die Wissenschaft zurück. Der Plan war zunächst – ganz ähnlich wie es später Horkheimer mit seinem Institut für Sozialkritik versucht hat – von dort die Keime der Negation in die Gesellschaft einzuführen. Es polemisierte gegen sämtliche Denkformen seiner Epoche, um „die festen Gedanken in Flüssigkeit zu bringen“, auf dass die Menschheit „in der absoluten Zerrissenheit sich selbst findet“ und jener „bacchantische Taumel“ ausbricht, „an dem kein Glied nicht trunken ist“, um so das “Allgemeine zu verwirklichen“.
Später, als sich erwies dass keiner dem folgen wollte, konstatierte Hegel: „Aber diese Versöhnung ist selbst nur eine partielle, ohne äußere Allgemeinheit; die Philosophie ist in dieser Beziehung ein abgesondertes Heiligtum, und ihre Diener bilden einen isolierten Priesterstand, der mit der Welt nicht zusammengehen darf und das Besitztum der Wahrheit zu hüten hat. Wie sich de zeitliche, empirische Gegenwart aus ihrem Zwiespalte herausfinde, wie sie sich gestalte, ist ihr zu überlassen und ist nicht die unmittelbar praktische Sache und Angelegenheit der Philosophie.“

Vielleicht geht es auch um etwas anderes – in jedem Fall aber um HEGEL.

Karl Rauschenbach (Berlin) schrieb u.a. im Magazin, Phase 2 und Jungle World. Zuletzt erschien von ihm der Film “Die kommende Revolution” über Pjotr Kropotkin.

Veto, Trommsdorffstr. 5, Erfurt.
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Vortrag: Eine innere Angelegenheit – Über den Staat als unreflektierte Voraussetzung aktueller Krisenlösungsphantasien

Donnerstag 26.04.2012, 20.00 Uhr.
Vortrag mit Justin Monday (Hamburg)

Als den Bürgern in der Krise im Herbst 2008 das Bewußtsein vom historischen Charakter ihres Ein und Alles – des Kapitalverhältnisses – drohte, erschien ihnen, insbesondere den deutschen, die Ewigkeit des nationalen Staates als Rettung. Noch heute, viele deutliche Botschaften des nach wie vor auf Entwertung drängenden Werts später, sind sie sich dieser Ewigkeit so gewiß, wie sie sonst glauben, ihr Nierenleiden vom Uropa mütterlicherseits geerbt zu haben. Unterschiede zwischen Keynesianern, die die Krise vermittels deficit spending beheben wollen, und denjenigen, denen die Produktion von Gebrauchswerten ganz unvermittelt nur Mittel zum Zweck der Kapitalakkumulation ist, sind schon länger kaum noch auszumachen. Auch fällt es allen Protagonisten zunehmend schwerer, sich ihre Interessenlagen zusammenzureimen. Jeder Konkurrent, auf den die eigene Pleite abgewälzt werden könnten, entpuppt sich als Teil der Substanz des eigenen Kapitals, die es „zu retten“ gilt. Bei allen nterschieden in den Resultaten der Interessenfindung bestehen aber unübersehbare Gemeinsamkeiten in den Voraussetzungen des handlungsleitenden Krisenbewußtsein, d.h. in den fetischistischen Vorstellungen vom Charakter des gesellschaftlichen Ganzen. Vor Augen steht den Repräsentanten des herrschenden Elends dabei vor allem dessen Kontrollier- und Steuerbarkeit durch den Staat, der als dem Kapitalverhältnis äußere Macht halluziniert wird. Handele dieser nur richtig, sei er in der Lage, die Krise zu meistern. Während jede einzelne Maßnahme inzwischen strittig ist, herrscht hierüber Einigkeit, oder besser: Pfeifen im Walde. Offenkundig ist, dass die darauf aufbauenden Versuche, Wirtschaftspolitik zu betreiben, nur immer wieder neu vor Augen führen, daß die vorausgegangenen Maßnahmen nichts gelöst, sondern den Entwertungsdruck nur in die Zukunft verschoben haben. Das freilich ficht diejenigen nicht an, denen die vergangene Rolle des Staates zur Omnipotenzphantasie geronnen ist. Ihnen erscheint jede weitere drohende
Staatspleite und jeder weitere Börsenkrach als zusätzliches ausgemachtes Fehlverhalten, das die Aufgabe des Staates nur umso größer, und die Gepflogenheiten des deutschen Souveräns nur um so geeigneter macht. – Dagegen soll erörtert werden, inwieweit die auf den autoritären Staat und in Deutschland auf den Nationalsozialismus zurückgehende Einheit von Staat und Gesellschaft weniger eine Entwicklungsmöglichkeit der aktuellen Zustände ist, sondern deren Voraussetzung, die, als Motor vergangener Krisenlösung, inzwischen ihrerseits in der Krise ist.

JustIn Monday (Hamburg), veröffentlicht u.a. in „Phase 2“ und „Exit! Krise und Kritik der Warengesellschaft“ sowie auf beatpunk.org.

Veto, Trommsdorffstr. 5, Erfurt.
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Wochenendseminar: Die kritische Theorie Hans-Jürgen Krahls

Freitag 20.04.2012 bis Sonntag 22.04.2012
Wochenendseminar mit Philipp Schweizer (Falken Erfurt)

Hans-Jürgen Krahl gilt als einer der klügsten Köpfe des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Als Schüler Adornos versuchte er, anknüpfend an die Kritik der politischen Ökonomie Marxens und die Kritische Theorie, eine theoretische und praktische Kritik der Gesellschaft zu entwickeln. In dieser Kritik sollte die Welt „unter dem Aspekt ihrer Veränderbarkeit“ (Krahl) beschrieben werden. Weder sollte sie selbstgenügsam in der Theorie verbleiben, nicht unter revolutionärer Praxis nur die an den Sankt-Nimmerleinstag verschobene Revolution verstehen, noch hinter den Stand Kritischer Theorie der Gesellschaft zurückfallen. Vor diesem Hintergrund machte Krahl sich Gedanken zu Klassikern einer kritischen Theorie der Gesellschaft wie Karl Marx, Wladimir Illitisch Lenin, Rosa Luxemburg, Georg Lukacs, Herbert Marcuse, Theodor Adorno und anderen und zu Fragen der Notstandsgesetzgebung, dem Stand des studentischen Bewusstseins, der Geschichtsphilosophie des autoritären Staates, einer dem Inhalt radikaler Gesellschaftskritik angemessenen Organisationsform usw. Im Seminar wollen wir eine ausgewählte Texte Krahls lesen und diskutieren.

Selbstversorgerhaus in Thüringen
Eine gemeinsame Anreise ab Erfurt ist möglich.
Die Teilnahme kostet 20 Euro (für die Verpflegung)
Eine Anmeldung ist erforderlich, bitte melde Dich so schnell wie möglich, spätestens bis zum 18.04.2012.

Vortrag: Bürgerliche Kleinfamilie – bitte pflegeleicht, vorzeigbar und nicht behindert

Freitag 16.3.2012, 19 Uhr
Vortrag mit Andrea Trumann und Rebecca Maskos

Mein Haus, mein Auto, mein Kind – bei der Fotoshow des bürgerlichen Kleinfamilienmitglieds darf vorzeigbarer Nachwuchs nicht fehlen. Ein nicht-normgerechtes Kind passt da nicht ins Bild. So zeigt der Ruf nach Pränataldiagnostik und neuerdings der nach PID nicht nur die Angst vor den gefürchteten „Belastungen“ durch ein behindertes Kind, sondern auch den Willen, ein pflegeleichtes Wunschkind zu produzieren. Mit Nazi-Eugenik habe die vorgeburtliche Auslese nichts zu tun, beteuern Mediziner und Politiker. Wenn aber auf ein abstraktes Ideal von freier Entscheidung gepocht wird, wenn eigentlich Selektion von erwünschtem Nachwuchs gemeint ist, ist das nach wie vor Eugenik – allerdings in ihrer modernen, ganz selbstbestimmten Variante. Was Wunschkinder, PID und PND mit Ableism, bürgerlichen Subjekten Kapitalismus zu tun hat ist Thema des Workshops von Andrea Trumann und Rebecca Maskos.

Links zum Thema:

  • Kritik im Handgemenge / Junge Linke (Text): Hauptsache gesund – Behinderung und Krankheit als Super-GAU des bürgerlichen Individuums
  • Lourdes Santander (Text): Jede ist ihres eigenen Glückes Schmid – Parallelen und Unterschiede in der Diskussion um Sterbehilfe und Reproduktion aus einem feministischen Blickwinkel
  • Rebecca Maskos (Text): Was heißt Ableism? Überlegungen zu Behinderung und bürgerlicher Gesellschaft
  • Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe “Der Mensch als Bezugspunkt von Moral und Kritik – Leben und Sterben im Kapitalismus” in Zusammenarbeit mit dem Bildungskollektiv BIKO, dem Jugendbildungsnetzwerk der Rosa Luxemburg Stiftung, Arbeit und Leben Thüringen und Rado FREI statt.

    Erfurt, Offene Arbeit.

    Rosa und Karl 2012

    13.01.2010 – 15.01.2010
    im Kurt-Löwenstein-Haus in Werftphul bei Berlin

    von den Freikorps-Soldaten erschossene Spartakisten

    Von Freikorps-Soldaten ermordete Spartakisten

    Nachdem mit dem Spartakusaufstand auch die Novemberrevolution blutig niedergeschlagen worden war, ermordeten Freikorps-Soldaten am 15. Januar 1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

    Mit der Hilfe dieser rechtsextremen Mörderbande übte die sozialdemokratische Regierung Ebert-Scheidemann späte Rache an den Abweichlern, die für viele der Novemberrevolution und dem Spartakusaufstand ein Gesicht gaben.
    Jedes Jahr am zweiten Januarwochenende findet zum Gedenken an die Ermordeten eine Demonstration statt. Die Falken organisieren aus diesem Anlass jedes Jahr ein Seminarwochende, eben “Rosa und Karl”.

    Dieses Jahr wird es Seminare wie “Rosa für Einsteiger_innen”, “Marx Gespenster”, “‘Ya basta!’ Eine andere Welt ist möglich!”, “Antimilitarismus in Zeiten von Bundeswehrreform und Berufsarmee”, “Der Extremismus der Mitte”, “‘Wir sind das Bauvolk der kommenden Welt!’ Lieder der ArbeiterInnenbewegung unter der Lupe”, “Vom Hinterhof zur Gartenstadt – wie die ArbeiterInnenbewegung für ein besseres Leben kämpfte”, “Arbeitskreis ‘Antisemitismus’, “Rätedemokratie vs. parlamentarische Demokratie”, “Europa auf dem ‘rechten’ Weg – Rechtsextremismus in Europa”, “Der rote Wedding” und ” Was macht Kollaboration und Vernetzung mit der Produktion? Kommt eine neue Gesellschaft durch die Hintertür?” gebe, ausserdem gibt es eine Diskussion zu gegenwärtigen Militärstrategien der Bundesregierung, Kriegsvorbereitungen nach außen und die Militarisierung innerhalb der Gesellschaft.


    gemeinsame Anfahrt ab Erfurt.
    Der Teilnehmer_innenbeitrag beträgt inkl Teilnahme, Verpflegung und Anreise usw. 20€
    Meldet euch so schnell wie möglich an!
    Das geht per Mail oder per Post.
    Dazu brauchen wir von euch: Name, Alter, Adresse, Telefonnummer oder Mailadresse.

    Mehr Infos zu den Workshops:

    Continue reading ‘Rosa und Karl 2012′

    Sozialistische Erziehung

    Samstag 17.12.2011, 11.00 Uhr – 16.00 Uhr.
    Tagesseminar mit Björn Oellers (Falken Hamburg)

    Sozialistische Erziehung ist eine Voraussetzung zur Veränderung der Gesellschaft. Und sie ist ein wichtiger Teil sozialistischer Politik. In ihr geht es darum, ein Geschichtsbild zu vermitteln, in dem die Geschichte und Gesellschaft als von Menschen gemachte und damit auch von Menschen bewusst veränderbare verstanden wird. Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte Utopie zu vermitteln. Denn es gibt keinen Sozialismus als feste Idee, die es nur umzusetzen gälte. Damit kann sozialistische Erziehung auch nicht bestimmte Menschen hervorbringen, sie läuft nicht auf einen vorab festgelegten Menschentypus hinaus.

    Sozialistische Erziehung geht davon aus, dass der Mensch sich nicht von heute auf morgen verändert. Die Veränderung seines Verhaltens ist ein Lernprozess, in dem viele Dinge Zeit benötigen. Hier zeigt sich, dass die Erkenntnisse aus der sozialistischen Erziehung grundlegend für das Verständnis von Revolutionen sind. Auch hier, obwohl eine Revolution eine radikale Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse bedeutet, werden die Menschen nicht einfach zu radikal neuen Menschen. Dazu sind wir zu tief von dem geprägt, was wir im Kapitalismus täglich erfahren: Konkurrenz, Gewalt, Hierarchien, Nationalismus usw. Sozialistische Erziehung ist jedoch Erziehung zu einer anderen Gesellschaft, zu einer Gesellschaft frei von diesen Dingen. Sie will die Erfahrungen ermöglichen, die Menschen benötigen, um die konkurrenzhaften, gewalttätigen, etc. Verhaltensweisen zu verändern. Sie will Menschen befähigen, eine andere Gesellschaft zu schaffen – und nicht lediglich die alte zu reproduzieren.

    Wie das zu erreichen ist, wie die Erziehung der Erzieher stattfinden kann, welche Funktion Gruppen und Kollektive dabei haben, welche Möglichkeiten sozialistische Erziehung bietet, das wollen wir in diesem Seminar diskutieren.

    Filler., Schillerstr.44, Erfurt.
    Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

    Arbeiter_innen- und Partisan_innenlieder

    Freitag 25.11.2011 – Sonntag 27.11.2011
    Wochenendseminar mit Björn Oellers (Falken Hamburg)

    g

    Vom 25.11. bis 27.11. fahren wir ein Wochenende lang gemeinsam mit unserem Referenten in ein Selbstversorgerhaus in Thüringen um uns auf einen Haufen bekannte und unbekannte Arbeiter_innen und Partisan_innenlieder zu stürzen. Dabei wollen wir über den Kontext und den Inhalt der Lieder diskutieren, aber natürlich auch jede Menge singen. Ausserdem wollen wir natürlich zusammen rumhängen, quatschen, diskutieren, kochen und feiern. Wenn Du Lust hast mitzukommen melde Dich bitte bis zum 21.11. bei uns per Mail. Für Essen, Fahrt, Material müssen wir leider einen Teilnahmebeitrag von 15€ nehmen, solltest du keine Kohle haben, soll es daran aber nicht scheitern.

    Selbstversorgerhaus in Thüringen
    Eine gemeinsame Anreise ab Erfurt ist möglich.
    Die Teilnahme kostet 15 Euro (für die Verpflegung)
    Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich, bitte melde Dich bis zum 21.11. per mail an.

    Kapital und Souveränität – Einführung in die materialistische Staatskritik

    Freitag 11.11.2011 – Sonntag 12.11.2011.
    Wochenendseminar mit Joachim Bruhn (Initiative Sozialistisches Forum)

    Dass die Wirtschaft nach ewigen Gesetzen funktioniert, gilt als allgemein ausgemacht. Sie soll unser Schicksal sein, das wir nur akzeptieren können und dem wir uns fügen müssen. Als genau so ausgemacht gilt, dass die Politik im – Gegensatz zur Wirtschaft – das Reich unserer Freiheit sei. Wer sich einbringe, könne auch was gestalten. Und deswegen solle, wer sich beschwert, gefälligst auch sagen, wie er oder sie es besser machen würde. Und so scheint es nur selbstverständlich, dass wer etwas an der Wirtschaft auszusetzen hat, nach dem Staat ruft und dieser, wenn dann doch mal etwas an ihm ausgesetzt wird, wiederum auf die wirtschaftlichen Zwänge verweist.
    Wie sich die Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktionsweise herrscht, in Staat und Kapital teilen, zerfallen die Individuen, die in ihnen ihr Leben fristen, in Bourgeois und Citoyen. Ständig zerrissen, einerseits ihre eigene wirtschaftliche Stellung und ihre privaten Interessen zu verfolgen und andererseits sich in den Staat einzudenken, sich als bloßes Exemplar des ordentlichen Staatsbürgers bzw. der ordentlichen Staatsbürgerin zu denken.
    In diesem ständigen Hin und Her zwischen politischen Gestaltungswillen und staatlichem Gewaltmonopol einerseits und freiem Markt und der Despotie von Fabrik und Büro andererseits liegt der objektive Irrsinn dieser gesellschaftlichen Verhältnisse. So objektiv irrsinnig sie sind, so sind sie doch irrsinnigerweise objektiv, d.h. gesellschaftlich gültig.
    In dem Wochenendseminar wollen wir uns zusammen mit unserem Referenten und einigen Texten mit dem Verhältnis von Kapital und Staat auseinander setzen. Davon ausgehend soll ein Blick auf das geworfen werden, was in Deutschland seit Ferdinand Lassalle als Links auftrumpft. Denn in dessen Agitation für den „Volksstaat“, dem Gerede des Marxisten-Leninisten vom „Staat des ganzen Volkes“ und der Forderung einer “Politik für alle” eines Oskar Lafontaine kommt die Ideologie der Politik an ihr Ende: in der Vorstellung der Einheit von Bürger und Staat — der Volksgemeinschaft, in der Idee, die Souveränität sei das Instrument der gesellschaftlichen Selbstbestimmung und das System des Befehlens und Gehorchens wäre, nur recht auf Gemeinwohl getrimmt, schon die Freiheit selbst.
    Die marxsche »Kritik der politischen Ökonomie« dagegen tritt auf als Kritik der politischen Ökonomie, die von Anfang an die Einheit von Ökonomie und Politik, von Basis und Überbau, von Kapital und Souveränität darstellt: in der Form der Kritik. Alle Kategorien dieser Kritik sind ökonomisch und politisch zugleich. Insofern sie aus der vermittelten Identität von Ausbeutung und Herrschaft entspringen, gilt die Souveränität als nur eine, wenn auch die gegenwärtige Form der Knechtschaft. Als Kritik, die dem kategorischen Imperativ folgt, die Spaltung der Gattung in die wesentliche und in die überflüssige Menschheit aufzuheben, zielt sie nicht auf die Aufhebung, sondern auf die Abschaffung des Staates.

    Naturfreundehaus Thüringer Wald, Gießübel.
    Eine gemeinsame Anreise ab Erfurt ist möglich.
    Die Teilnahme kostet 15 Euro (für die Verpflegung)
    Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich, bitte melde Dich bis zum 07.11.2011 per mail an.


    Am 10.11.2011 findet mit dem selben Referenten in Jena ein Vortrag zum Thema “Nichts gelernt und nichts vergessen. – Geschichte und Zukunft des Antizionismus in Deutschland” statt. Weitere Informationen unter association pomme de terre
    .

    Gottes Spektakel – Zur Kritik von Religion und Religionskritik

    Sa. 17.September, 14.00 Uhr
    Tagesseminar mit Lars Quadfasel (Hamburger Studienbibliothek)

    Weil die Kritik der Religion die religiösen Vorstellungen vom Himmel auf die Erde hole, sei sie die Voraussetzung aller Kritik meinte einst Karl Marx. Darauf aufbauend sei von der Kritik der Religion überzugehen zu einer Kritik der Gesellschaft, die der Religion bedürfe. In der sich die Menschen aus dem Jammertal, dass die wirkliche Welt sei, in die Religion flüchten, anstatt die Verhältnisse zu verändern.

    Doch obwohl gänzlich „entlarvt“ und entzaubert, ist die Religion nicht verschwunden. Die Kritik der Religion hat es deswegen im Spätkapitalismus mit einem Paradox zu tun: Die Kirchen, einst Herrn über Könige und Kaiser, sind zum Hilfsinstitut für Seelenhygiene herabgestürzt. Ihre Dome wurden zu Touristenattraktionen, ihre Prediger zu Showmastern, ihr Papst zum Grußaugust und Superstar. Widerlegt, erledigt und entmachtet, hat sich aber die Religion mit ihrem Sturz nicht bloß arrangiert, sondern daraus neue Kraft geschöpft. Ins Schattenreich des Privaten verstoßen, regeneriert der Glauben sich in dessen Schutz: Alles Wesentlichen, seiner Substantialität und Allgemeinverbindlichkeit, beraubt, gewinnt er erst eine zukunftsträchtige Gestalt. Dank der Vorstellung dass es sich mit einem Glauben, egal woran, besser leben lasse, ist Glauben populär wie nie. Nicht mehr die Inhalte der Religionen werden geglaubt, sondern am Glauben selbst festgehalten. Aus ihm spricht nicht mehr die Hoffnung auf ein Jenseits des schlechten Diesseits, sondern die Ahnung einer allumfassenden Hoffnungslosigkeit.

    Dieses Elend der Religion spiegelt sich auch im Elend der gängigen Religionskritik. Positivistisch erledigt sie alles was über das Bestehende hinausweist und erledigt damit zugleich die letzten kümmerlichen Reste der Hoffnung, dass es anders werden könnte. Die gängige Religionskritik wagt sich so nur an die offenkundigen Lügen der Religion, nicht aber an die Wahrheit, die sie verbirgt. Im Seminar soll diesen Überlegungen folgend durch die Kritik von Religion und Religionskritik der Blick auf eine profane Erlösung frei gelegt werden: die Emanzipation der Menschen aus versklavenden Verhältnissen.

    Veto, Trommsdorffstr. 5, Erfurt.
    Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

    Zeltlager: Ferien von Deutschland machen!

    Sommer, Sonne, Sozialismus

    Sommer, Sonne, Sozialismus :)

    Dieses Jahr gibt es die Möglichkeit, in zwei Zeltlager mitzufahren.
    Einmal fahren wir, wie jedes Jahr, eine Woche lang mit Junge Linke nach Niedersachsen, das andere mal geht’s für funf Tage nach Bayern. Wir wollen gemeinsam den (Spät)Sommer genießen, schwimmen gehen, am Lagerfeuer sitzen, kickern, diskutieren und uns in Workshops mit Themen wie Biologismus, Geschlechterverhältnis, Kapitalismus, politischem Veganismus, Rassismus, Schule, Menschenrechten, Krankheit und Behinderung, Antisemitismus und vielm anderen mehr auseinandersetzen (Eine Liste und Beschreibungen findet ihr weiter unten unter “mehr”).

    Zeltlager 1: 28.Juli – 04.August

    Ort: in Niedersachsen. Die Teilnahme kostet je nach Selbsteinschätzung 35 Euro, 45 Euro oder 55 Euro (bitte bei der Anmeldung mit angeben). Der Anmeldeschluss ist der 30. Juni.

    Zeltlager 2: 26.August – 30.August

    Ort: in Süddeutschland. Die Teilnahme kostet je nach Selbstseinschätzung 30 Euro, 40 Euro oder 50 Euro (bitte bei der Anmeldung mit angeben). Der Anmeldeschluss ist der 15.Juli.

    Unter “mehr” findet ihr noch die Workshoplisten und Beschreibungen.
    Continue reading ‘Zeltlager: Ferien von Deutschland machen!’