Erstes Treffen der Falken Kindergruppe (8-12 Jahre) am 3.5.16!

Morgen trifft sich unsere Kindergruppe das erste Mal!

Von 16- 18 Uhr treffen wir uns in unserem Ladenlokal [kany] in der Thälmannstraße 26 in Erfurt mit allen interessierten Kindern und Eltern.

Wir sind junge Erwachsene und Mitglieder oder Freunde der Falken Erfurt und möchten uns und unsere Ideen und Vorstellungen zu emanzipatorischer Erziehung vorstellen und mit euch ins Gespräch kommen. Mit den Kindern wollen wir morgen eine einfache Version des Siebdrucks ausprobieren und Buttons gestalten und basteln.

Jour Fixe: Der deutsche Wald im Sonnenglanz

Der nächste Vortrag unserer Jour Fixe Reihe wie immer am letzten Montag des Monats (25.04.16) um 19.30 Uhr im [kany]:

„Der deutsche Wald im Sonnenglanz“

Das Verhältnis der Gesellschaft zur von ihr ausgemachten „Wildnis“ entfaltet zwischen bedingungsloser Romantisierung bis hin zur teils infantilen Angst vor dem Unbekannten, welches dort im Dunkeln lauert. Mit der Ausprägung des deutschen Nationalbewusstseins ab Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die „urdeutsche Waldwildnis“ (Riehl) zum Sinnbild germanisch-deutscher Naturhaftigkeit gegenüber englisch-französischer Urbanität; die Deutschen selbst als ewig verwurzeltes „Wald-“ gegenüber dem nomadenhaft-parasitären jüdischen „Wüstenvolk“. Ein Versuch

Vortrag und Diskussion mit Felix Klopotek: Briefwechsel zwischen Paul Mattick und Roman Rosdolsky

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Generelles Thema ist der „revolutionäre Anti-Subjektivismus“, der m.E. für diese Generation (von Pannekoek, Jahrgang 1873, bis Mattick, Jahrgang 1904) verbindlich ist. Also: Zentralität der Oktoberrevolution; Ablehnung der Rolle der „großen Männer“; Bewertung der eigenen Biographie als zufällig; das subjektive Empfinden oder das „dabei geblieben sein“ ist nicht der Maßstab der Denkens und Handelns. Das sind vermeintlich selbstverständliche Sachen, aber in unserer Epoche des generalisierten Narzissmus Ungeheuerlichkeiten.

Konkret am Briefwechsel diskutiere ich drei Komplexe: a) die unterschiedliche methodologische Haltung (Mattick – viel eleganter als Rosdolsky – am Empirismus orientiert; Rosdolsky dagegen dem russischen Materialismus – Plechanow und Lenin – verpflichtet, was seinen grundsätzlichen Überlegungen etwas Plumpes verleiht; aber: in der Praxis ist Mattick, was die Analyse konkreter historischer Situationen angeht, der wurstige, lakonische, zum Abstrakten neigende Typ, während – umgekehrt umgekehrt – Rosdolsky der begnadete Historiker ist, der kein Dokument unberücksichtigt lässt.); b) die unterschiedliche Einschätzung der Sowjetunion (Mattick: Staatskapitalismus; Rosdolsky: Staatssozialismus); c) die kontroversen Haltungen zum Befreiungsnationalismus (Mattick dagegen; Rosdolsky dafür).

Natürlich bringe ich auch viel Zeitkolorit rein – Vietnamkrieg, drohender Atomkrieg, Faschismus in den USA, Chauvinismus in Polen, aufschlussreiche Lästereien über prominente Neomarxisten, die extreme Isolation, keine Publikationsmöglichkeiten etc. -, ein paar hübsche Anekdoten und es geht um die großen Manuskripte: Ich muss also vor allem auf „Marx und Keynes“ eingehen, aber auch auf Rosdolskys Studien zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk, die er leider nicht mehr abschließen konnte.

Den Ertrag für heute sehe ich in der Vermittlung einer bestimmten revolutionären Haltung (von der man lernen sollte, die man natürlich nicht übernehmen kann) und in der Intensität der Debatten, es ging um die Aufrechterhaltung einer Kontinuität.

Film und Diskussion: Triumph des Guten Willens

mit Mikko Linnemann

Dienstag 07. Juni, 19.30 Uhr im [kany]

Der Dokumentarfilm setzt sich filmisch mit den Texten des Publizisten Eike Geisel auseinander. Im Zentrum stehen Geisels Kritiken an der deutschen Erinnerungspolitik und seine These über die „Wiedergutwerdung der Deutschen“. Texte Geisels aus den 1990er Jahren unter anderem über die Neue Wache und das Holocaust-Mahnmal kontrastieren die heutigen Bilder der beschriebenen Gedenkstätten. Sie zeigen eine Normalität, die es eigentlich nicht geben dürfte.

Zudem analysieren ausführliche Interviews mit Alex Feuerherdt, Klaus Bittermann, Hermann L. Gremliza und Henryk M. Broder Geisels Thesen in Hinblick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse heute.
Von der politischen Biografie Eike Geisels ausgehend, zeichnet Triumph des guten Willens ein Bild linker Debatten der letzten Jahrzehnte und fragt schließlich nach der Möglichkeit von Kritik in unmöglichen Zeiten.

Lesung und Buchvorstellung: Meine sieben Väter – Als Partisan gegen Hitler und Mussolini

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Montag 23. Mai, 19.30 Uhr im [kany]

Ein Sohn, der selbst in die Jahre gekommen ist, begibt sich auf die Spurensuche nach seinem Vater und dessen sechs Brüdern. Ihr Schicksal zählt zu den großen Kapiteln der italienischen Resistenza, des Widerstands gegen den Faschismus und die Besatzung Italiens durch die deutsche Wehrmacht zwischen 1943 und 1945. Mit ihrer Hinrichtung wurden diese Männer zu Symbolfiguren des Antifaschismus. Doch Adelmo Cervi, der seinen Vater nie bewusst kennengelernt hat, will die Geschichte abseits dieses Mythos erzählen und erweckt so das posthum errichtete Denkmal zu neuem Leben. Dabei gibt er einen sehr persönlichen Einblick in den Alltag, das Denken und Handeln dieser bäuerlichen Familie zwischen Kirche und Kommunismus.

mit Adelmo Cervi und Gernot Trausmuth (Übersetzer)

Jugendblock am 1. Mai: Wir sind nicht Volk, wir sind Klasse!

Gemeinsam mit den Genossinnen und Genossen der anderen linken Jugendverbände Erfurts und Umgebung veranstalten wir am 1. Mai, dem Tag der Arbeiterklasse, einen Jugendblock auf der traditionellen DGB Demo von der Staatskanzlei zum Anger. Der gemeinsamen Aufruf:

Wir Jugendverbände in der Tradition der Arbeiter*innenbewegung begehen mit dem 1. Mai unseren zentralen Kampf- und Feiertag, um unsere Forderungen und Visionen für eine offene und solidarische Gesellschaft lautstark und für alle sichtbar kundzutun. Zusammen wollen wir kämpferisch und entschlossen unseren Widerstand gegen Armut und Ausbeutung – hier und weltweit – auf die Straße tragen. Wir stellen uns dabei entschieden gegen die aktuelle völkisch-rassistische Mobilisierung seitens Teilen der etablierten Politik, der Neo-Nazis und der „Neuen Rechten“. Dem setzen wir den gemeinsamen Kampf aller Lohnabhängigen und Geflüchteten für ein gutes Leben entgegen.

Vortrag und Diskussion mit Ottokar Luban: Die Spartakusgruppe

Im Rahmen unserer Osterkonferenz 2016 hält der Historiker Ottokar Luban einen Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema: „Die Spartakusgruppe – ihr Anteil am Antikriegskampf 1915 – 1918 und ihre Zusammenarbeit mit der linkssozialistischen Arbeiterjugend“:

Der zunächst in der SPD, ab April 1917 in der USPD wirkende linkssozialistische Kreis um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, der wegen seiner illegalen Zeitung „Spartacus“ als „Spartakusgruppe“ oder „Spartakusgruppe“ bekannt wurde, setzte sich am frühesten und entschiedensten für Massenbewegungen gegen den Krieg ein und brachte mit Abstand die höchste Zahl an entsprechenden Flugschriften auf dem linken Flügel der Arbeiterbewegung heraus. Immer wieder wurde auf den Flugblättern zu Aktionen aufgerufen und „Frieden! Freiheit! Brot!“ gefordert. Die Mitglieder der linkssozialistischen Opposition in der Arbeiterjugend entwickelten ebenfalls frühzeitig eigene Initiativen im Kampf gegen den Krieg, kooperierten eng mit der Spartakusgruppe, bewahrten dabei aber ihre Eigenständigkeit. Die linkssozialistische Arbeiterjugend trug – trotz der schweren Repressionen der kaiserlichen Strafverfolgungs- und Militärbehörden – erheblich dazu bei, dass die Verbreitung der Spartakusflugschriften dieses bedeutende Ausmaß annehmen konnte.

Zwischen Zionismus und Sozialismus: Werner Scholem (1895 – 1940)

Werner Scholem

Werner Scholem (1895-1940) wird heute meist verbunden mit seinem Bruder Gershom, Benjamin-Herausgeber und Experte zur jüdischen Mystik. Beide radikalisierten sich politisch gegen den autoritären Vater und den Antisemitismus der Mehrheitsgesellschaft. Werner brachte seinem Bruder mit der Gruppe „Jung Juda“ den Zionismus nahe, doch wandte sich selbst bald ab von dieser Idee und schloss sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ an. Als Soldaten wider Willen in den Jahren 1916-1918 kamen sich beide noch einmal näher und diskutierten über Judenstaat und Revolution.
Als die Revolution jedoch im November 1918 in Deutschland von der Utopie zur Wirklichkeit wurde, trennten sich die Wege – Werner begann eine Laufbahn als sozialistischer Politiker und wurde für die KPD in den Reichstag gewählt, während Gershom 1923 Deutschland verliess und nach Jerusalem auswanderte.

Mit dem 20-minütigen Kurzfilm “Von der Utopie zur Gegenrevolution” (https://www.youtube.com/watch?v=TQv-ieP7D2k) von Niels Bolbrinker wird die bisher wenig bekannte Biographie Werner Scholems vorgestellt, bevor dann der Historiker Ralf Hoffrogge in einem Vortrag die Debatten zwischen Zionismus & Sozialismus 1914-1919 näher beleuchtet.

Referent: Ralf Hoffrogge, Autor von “Werner Scholem – eine politische Biographie” (UVK 2014)

Der Vortrag ist Teil der aktuellen Vortragsreihe unseres Arbeitskreis Nationalsozialismus und wir durch den Lokalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus der Stadt Erfurt gefördert.